Verschmutzung durch Touristen*innen/Overtourism “kanko kogai” in Japan

Der Tourismus in Japan ist trotz der Katastrophe von Fukushima 2011 unglaublich gestiegen. Waren es 2011 knapp 6,2 Millionen Tourist*innen, waren es 2017 ein Rekord von 28,6 Millionen Besucher*innen. Zur Olympiade 2020 ist von der Regierung sogar ein Anstieg bis 40 Millionen geplant.

Mit dem ökonomischen Gewinn durch diese Branche wird die Schattenseite “Overtourism” immer deutlicher; In überfüllten und dreckigen Verkehrsmitteln oder in mehr und mehr Schildern, wie man sich in einem Tempel, Onsen oder im allgemeinen Verhalten sollte. Die Situation hat sich sogar so verschärft, dass ein Wort erschaffen worden ist, dass das Phenomen einen eigenen Namen bekommen hat “kanko kogai” (Verschmutzung durch Touristen). Japan ist eine eher kollektivistische Gesellschaftsform, was bedeutet, dass das Glück der Gemeinschaft dem individuellen vorzuziehen ist. Dies ist beispielsweise deutlich dadurch, dass nirgends Müll oder Graffiti vorzufinden ist, da es der “Gemeinschaft” schadet. Während in Singapur drakonische Strafen drohen, ist es in Japan eine soziale Regel des Zusammenleben, damit gerade überbevölkerte Städte wie Tokyo oder Osaka lebbar für alle sind. Dazu gehört beispielsweised auch so wenig Gepäck wie wenig mitzunehmen, damit man den Platz von anderen nicht beansprucht. Das erste Mal woran ich schon vom weiten (mit Sehschwäche ;)) bemerkt habe, dass es sich in der Metro um fast ausschließlich Touris handelte habe ich daran gesehen: Die Leute haben ihre Beine gespreizt, ihre Taschen auf leere Sitze gelegt und dass obwohl viele Leute stehen mussten.

” And while Japan is keen to play up its sense of omotenashi – the Japanese term that means “to entertain guests wholeheartedly” – cracks are appearing in the smiling facade” (This Week in Asia)

Aber kommen wir erstmal zu der eigentlichen Ursache: Wie ist es dazu gekommen, dass Japan aufeinmal eine Flut von Tourist*innen aufweist?

Gründe für den rasanten Anstiegs des Tourismus sind unter Anderem:

  • Seit 2003 investiert die japanische Regierung in die Tourismusbranche und zielt immer höhere Zahlen von Tourist*innen an. Der neue Tourismus ist ein neues Standbein der japanischen Ökonomie geworden.
  • Die Legalisierungvon Casinos bringt ist insbesondere für Besucher*innen aus China attraktiv
  • Viele der Chinesische Touris interessieren sich insbesondere für japanische Markenprodukte und Medikamente, da sie so sicher stellen, dass es sich um keine Replikate handelt.
  • Bis zum 15.06.18 befanden sich ca. 60 000 Airbnbs online, die nicht registriert worden sind. Erst mit dem “Minipaku” Gesetz, ist es erlaubt ein Airbnb zu betreiben, welches die Anzahl der Airbnbs auf 1000 zunächst reduziert hat. Dies bedeutet im Umkehrschluss, dass viele Wohnungen/Häuser (halb) illegal zur Verfügung standen.
  • Japan als neues “Trendziel” u.A. auch wegen des schwachen Yens.
  • Last but not least; Der generelle Trend zu Dumping Flügen und die steigende Anzahl des Flugtourismus.

Last August, The Japan Times ran a story on “good” and “bad” tourists. The country would like more of the former; the latter were described as noisy, having bad manners, leaving a trail of detritus behind them – the list was long.

Bestimmte Ereignisse, die das ungebildete und zerstörerische Verhalten illustriert:

  • Der Bambuswald in Arashiyama leidet immer mehr unter Tausenden von Graffitis bzw. eingeritzten Namen und Tags auf dem Bambus (The Asahi Shimbum)
  • Nach einem erheblichen Schneesturm in Hokkaido mussten mehrere Flüge gestrichen werden, was zu Schlägereien zwischen Touris und Polizei führte (siehe hier )
  • Für Bilder von den Kirschblüten (Sakura) steigen  Touris die Bäume hoch, treten diese oder schütteln diese, da sie einen Kirschblütenregen wollen (The South China Morning Post)
  • Um ein Bild von einer Maiko/Geisha zu erhaschen sind einige bereit, diese solange zu belästigen und zu verfolgen, dass die armen Frauen in Tränen ausbrechen (The Guardian)

Tja kaum zu glauben, dass ich selber als Touristin auch “Opfer” dieses rücksichtloses Fotoverhalten von Touris unterschiedlicher Nationalität geworden bin. Mein Traum war es immer Sonntags in japanese street fashion durch Harajuku zu laufen. Also aufgerüscht erst zum Yoyogi Park, welcher ein ehemaliges Mekka der Street Art Jugendlichen war. Leider wurde ich dort kaum mit 10 cm Abstand von einem Typen von oben bis unten gefilmt und geknipst. Als er darauf von meinem Freund angesprochen wurde schaute er nur und fragte “you mind?!”. Unglaublich. Kurze Zeit darauf dass gleiche auf der Cat Street in der ich von einer älteren Frau und ihrer Familie abgelichtet worden bin. Obwohl sie mir Komplimente zu meinem Outfit gaben, haben sie sich geweigert zu verstehen warum man fremde Menschen ohne zu fragen nicht einfach ablichtet (vorallem von kurzer Distanz). Das frecheste jedoch war, dass sie sagten sie würden KEIN JAPANISCH sprechen, mich aber direkt auf Englisch ansprachten, einfach nur dreist.

Wie würdest du dich fühlen, wenn dies in deiner Heimat zum Alltag geworden ist? Welche Meinung hättest du von Touris, wenn du auf so ein Verhalten stoßen würdest?

Hier sind meine Tipps um nachhaltig in Japan zu reisen und als “Gast” dem “Gastgeber” respekvoll gegenüber zu treten:

  • Informiere dich über das Land, welches du besuchst. Sei neugierig!
  • Lächle und werde nicht laut falls es mit der Kommunikation nicht funktionieren sollte und damit meine ich nicht die gesproche Sprache ;). Ich weiß es ist schwierig, da ich auch als “deutsch” sozialisierter Mensch lieber alles direkt anspreche (inkl. Probleme) und dann eher sauer werde wenn sich jemand in der Kommunikation rum druckst. In Japan gehört es aber zur Kultur längere Gesrpäche zu führen und Dinge indirekt anzusprechen, achte darauf das ein “maybe” oft aus Höflichkeit gesagt wird, da die (ehrliche) Antwort  nicht gesagt werden kann.
  • Versuche ruhig zu bleiben vorallem nicht in der Metro, stell dir vor jeder Mensch in der vollen Bahn würde reden
  • Vermeide die Rush-Hour(s) mit allen Mitteln (vorallem mit Gepäck) ! In größeren Städten ist diese zwischen 07:00-9:00 und 16:30-19:00, wobei die morgendliche Rush-Hour intensiver ist.
  • Versuche zur regionalen und/oder saisonalen Nebensaison zu reisen. Wusstest du beispielsweise, dass in Okinawa im Januar oder in Hokkaido im Mai die Kirschblütensaison ist, die viel weniger Touris anzieht als die Region Kansai/Kanto im April?
  • Versuche insbesondere außerhalb von japanischen Feiertagen zu reisen, die Züge und Hotels werden noch überfüllter sein als sonst.
  • Nehme deinen Müll immer mit und versuche Plastiktüten zu vermeiden.
  • Übernachte in keinem (unregistrierten) Airbnb!
  • “Those who follow the crowd usually get lost in it.” Kennt ihr dieses Zitat von Rick Warren? Es gibt soviel mehr als den “klassischen” Reiseweg Tokyo, Fuji, Kyoto, Osaka, Hiroshima. Ich kann es absolut nachvollziehen genau diese Route zu nehmen und es handelt sich um Städte, die ich wahrscheinlich auch nicht auslassen wollen würde. Aber Japan bietet so so so viel mehr als diese Route und diese Städte.

“Take the memories. Leave only footprints” Chief Seattle

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